AmfortasParsifal

Act III

AMFORTAS

(Amfortas von seinem Lager sich hoch aufrichtend, zu der Leiche gewendet)

Mein Vater!
Hochgesegneter der Helden!
Du Reinster,
dem einst die Engel sich neigten!
Der einzig ich sterben wollt',
dir - gab ich den Tod!
Oh! Der du jetzt in göttlichem Glanz
den Erlöser selbst erschaust,
erflehe von ihm, daß sein heiliges Blut,
wenn noch einmal heut sein Segen
die Brüder soll erquicken,
wie ihnen neues Leben
mir endlich spende - den Tod!
Tod! - Sterben!
Einz'ge Gnade!
Die schreckliche Wunde,
das Gift, ersterbe,
das es zernagt, erstarre das Herz!
Mein Vater! Dich - ruf' ich,
rufe du Ihm es zu:
"Erlöser, gib meinem Sohne Ruh'!"

DIE RITTER

(drängen sich näher an Amfortas heran)

Enthüllet den Gral! -
Walte des Amtes!
Dich mahnet dein Vater: -
Du mußt, du mußt!

AMFORTAS

(springt in wütender Verzweiflung auf und stürzt sich unter die zurück weichenden Ritter)

Nein! - Nicht mehr! - Ha! -
Schon fühl' ich den Tod mich umnachten,
und noch einmal soll ich ins Leben zurück?
Wahnsinnige!
Wer will mich zwingen zu leben?
Könnt ihr doch Tod mir nur geben!

(Er reißt sich das Gewand auf)

Hier bin ich - die off'ne Wunde hier!
Das mich vergiftet, hier fließt mein Blut.
Heraus die Waffe!
Taucht eure Schwerter
tief - tief, bis ans Heft!
Auf! Ihr Helden!
Tötet den Sünder mit seiner Qual:
von selbst dann leuchtet euch wohl der Gral!

(Alle sind scheu vor Amfortas gewichen, welcher in furchtbarer Ekstase einsam steht. Parsifal ist, von Gurnemanz und Kundry begleitet, unvermerkt unter den Rittern erschienen, tritt jetzt hervor und streckt den Speer aus, mit dessen Spitze er Amfortas' Seite berührt.)

PARSIFAL

Nur eine Waffe taugt: -
die Wunde schließt der Speer nur,
der sie schlug.

(Amfortas' Miene leuchtet in heiliger Entzückung auf; er scheint vor großer Ergriffenheit zu schwanken; Gurnemanz stützt ihn.)


Last updated: 12 April 2004