(-dt) Prof. Thomas Quasthoff ist neuer Träger des Ehrenrings der Stadt Hildesheim. Am Sonnabend erhielt der Hildesheimer Weltstar und zweimalige Grammypreisträger die Auszeichnung im Rahmen eines Festaktes im Rathaus.
![]() Förderer, Freundin und gefeierter Künstler. Prof. Thomas Quasthoff trägt den Ehrenring der Stadt Hildesheim als Halskette, was nicht nur ihn, sondern auch Freundin Claudia Stelzig freute. Links Dr. Hubertus Haller, für dessen Hilfe sich Quasthoff persönlich bedankte.
Die Auszeichnung: Dr. Ulrich Kumme und Dr. Konrad Deufel ehren Weltstar Thomas Quasthoff. Fotos: Gossmann |
Sehr geehrter Herr Professor, begann Oberbürgermeister Dr. Ulrich Kumme seine Festansprache und schwenkte doch zum persönlichen lieber Herr Quasthoff über. Das falle ihm leichter, meinte Kumme und griff damit die schon gelöste Atmosphäre im kleinen Sitzungssaal auf. Denn Quasthoff, gerade von einer erfolgreichen USA-Tournee zurück, wandelte den Festakt zur heiteren Runde. Umgeben von seinen Eltern Brigitte und Hans-Joachim Quasthoff sowie von seiner Lebensgefährtin Claudia Stelzig, einer Journalistin vom Mitteldeutschen Rundfunk, verstreute der Star mit ständigen Zwischenbemerkungen eine Fröhlichkeit, die bei derartige Anlässen eher rar ist.
Am 7. Juli 2003 habe der Rat der Stadt Hildesheim beschlossen, Quasthoff mit dem Ehrenring auszuzeichnen. Und weil der Contergan geschädigte Sänger einen Ring wohl eher als störend empfinden könnte, habe man sich mit seinen Eltern beraten und einen Ring entwickelt, der als Kette getragen werden kann.
Kumme konnte, getragen von Quasthoffs Fröhlichkeit, diese kleine Geschichte leicht erzählen. Ich dachte schon, ich müsste den Ring am Ohr tragen, warf Quasthoff locker dazwischen und gab Kumme Gelegenheit, seinen zentralen Satz zu sagen: Herr Quasthoff, Sie haben sich um die Stadt Hildesheim verdient gemacht. Quasthoff sei ein Botschafter unserer Stadt in der Welt. Dass es eineinhalb Jahre dauerte zwischen Beschluss und Auszeichnung, sei, so Kumme, ein Hinweis auf des Sängers vollen Kalender. Gerade käme er aus den USA, habe dort vor 2000 Menschen gesungen.
Sie sind ein Weltbürger, sprach Kumme voller Hochachtung aus und schlug den Bogen zu Quasthoffs Arbeit als Professor, der jetzt einen Ruf nach Berlin erhielt. Quasthoffs doppelte Leistung als Sänger und Lehrer stellte der Oberbürgermeister heraus, machte es zur prägenden Figur seiner Laudatio. Es sei das Ausgezeichnete an Quasthoffs Lebensweg, dass er, der früher selbst viel Zuwendung erfahren hatte, dies jetzt zusätzlich zu seinem überwältigenden Erfolg anderen zurückgibt. Kumme sprach insbesondere Dr. Hubertus Haller an, der in dem damaligen Auszubildenden der Kreissparkasse Hildesheim das Künstlertalent Quasthoff entdeckte und förderte.
Nach Übergabe der Urkunde und des an einer Kette hängenden Rings ergriff der neue Träger des Hildesheimer Ehrenrings das Wort. Aber das richtete er nicht zuerst an die Spitze der Stadt mit Ulrich Kumme und Dr. Konrad Deufel, sondern an Hubertus Haller, den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse. Noch nie habe er eine richtige Gelegenheit gehabt, sich angemessen bei seinem früheren Chef zu bedanken, sagte Quasthoff. Haller habe schon früh den Künstler in ihm erkannt. Ich will mich bei dir dafür von Herzen bedanken, sagte der Weltstar zu Haller.
Dann wandte sich Quasthoff an die Stadt. Diese Auszeichnung sei eine große Ehre für ihn und eine gute Gelegenheit für einen dringenden Appell: Bitte lassen Sie das Sterben von Kultureinrichtungen nicht zu. Bei seinem Besuch in den USA habe er diese Entwicklung mit großem Schrecken gesehen.
Um jedes Kind, das einen Platz in der Musikschule habe, brauche sich später die Polizei nicht zu kümmern, meinte Quasthoff und sprach damit Ulrich Petter von der Musikschule Hildesheim aus dem Herzen. Musik lehre auch soziales Verhalten. Thomas Quasthoff beendete den Abend mit einem Dank an seine Eltern, seine Lebensgefährtin und an seinen Freund Markus Hage, ehemaliger Hildesheimer Scharnhorstschüler. Hage, Jurist aus München, lernte Quasthoff in Bayern kennen.
Als beide ihre Hildesheimer Wurzeln entdeckten, wuchs eine echte Freundschaft, sagte Hage der HAZ, er sei viel mit dem Freund unterwegs gewesen. Und wörtlich: Wir beide haben den gleichen Humor.
Hildesheimer Allgemeine Zeitung
22 November 2004