Felix Mendelssohn-Bartholdy

Pagenlied

Wenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Wälschland, lau und blau,
Ging' ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au'.

In der Nacht das Liebchen lauschte
An dem Fenster, süß verwacht;
Wünschte mir und ihr, uns Beiden,
Heimlich eine schöne Nacht.

Der Mond, Op. 86/5

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht,
Und sieh, - der Wald verstummt in tiefem Lauschen.

Der Mond, der lichte Mond bist du:
In deiner Liebesfülle
Wirf einen Blick mir zu
Voll Himmelsruh',
Und sieh, dies ungestüme Herz - wird stille.

Neue Liebe, Op. 19/4

In dem Mondenschein im Walde
Sah ich jüngst die Elfen reiten,
Ihre Hörner hört ich klingen,
Ihre Glöcklein hört ich läuten.

Ihre weißen Rößlein trugen
Goldne Hirschgeweih und flogen
Rasch dahin; wie wilde Schwäne
Kam es durch die Luft gezogen.

Lächelnd nickte mir die Königin,
Lächelnd im Vorüberreiten.
Galt das meiner neuen Liebe ?
Oder soll es Tod bedeuten !

Nachtlied, Op. 71/6

Vergangen ist der lichte Tag,
Von ferne kommt der Glocken Schlag;
So reist die Zeit die ganze Nacht,
Nimmt manchen mit, der's nicht gedacht.

Wo ist nun hin die bunte Lust,
Des Freundes Trost und treue Brust,
Der Liebsten süßer Augenschein ?
Will keiner mit mir munter sein ?

[Da's nun so stille auf der Welt,
Ziehn Wolken einsam übers Feld,
Und Feld und Baum besprechen sich, -
O Menschenkind! was schauert dich ?

Wie weit die falsche Welt auch sei,
Bleibt mir doch Einer nur getreu,
Der mit mir weint, der mit mir wacht,
Wenn ich nur recht an ihn gedacht.]

Frisch auf denn, liebe Nachtigall,
Du Wasserfall mit hellem Schall !
Gott loben wollen wir vereint,
Bis daß der lichte Morgen scheint.

Venetianisches Gondellied, Op. 57/5

Wenn durch die Piazetta
die Abendluft weht,
dann weißt du, Ninetta,
Wer wartend hier steht.
Du weißt, wer trotz Schleier
und Maske dich kennt,
Wie die Sehnsucht
im Herzen mir brennt.

Ein Schifferkleid trag' ich
zur selbigen Zeit,
und zitternd dir sag' ich:
das Boot ist bereit !
O komm jetzt, wo Lunen
noch Wolken umzieh'n,
laß durch die Lagunen,
Geliebte, uns flieh'n !

Fanny Mendelssohn

Die Mainacht, Op. 9/6

Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,
Und die Nachtigall flötet,
Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.

Selig preis ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
Ihrem singenden Gatten
Tausend trauliche Küsse gibt.

Überhüllet von Laub girret ein Taubenpaar
Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
Suche dunklere Schatten,
Und die einsame Träne rinnt.

And'res Maienlied - Hexenlied, Op. 8/8

Die Schwalbe fliegt, der Frühling siegt
Und spendet uns Blumen zum Kranze;
Bald huschen wir leis' aus der Thür
Und fliegen zum prächtigen Tanze.

Ein schwarzer Bock, ein Besenstock,
Die Ofengabel, der Wocken
Reißt uns geschwind, wie Blitz und Wind,
Durch sausende Lüfte zum Brocken !

Um Beelzebub tanzt unser Trupp
Und küsst ihm die kraligen Hände !
Ein Geisterschwarm fasst uns beim Arm
Und schwinget im Tanzen die Brände !

Und Beelzebub verheißt dem Trupp
Der Tanzenden Gaben auf Gaben:
Sie sollen schön in Seide geh'n
Und Töpfe voll Goldes sich graben.

Ein Feuerdrach' umflieget das Dach
Und bringet uns Butter und Eier.
Die Nachbarn dann seh'n die Funken weh'n,
Und schlagen ein Kreuz vor dem Feuer.

Die Schwalbe fliegt, der Frühling siegt
Die Blumen erblühen zum Kranze;
Bald huschen wir leis' aus der Thür
Juchheisa zum prächtigen Tanze.

[Texts from the Lied and Song Texts site]